Seelenpein eines Webusers

Das nervt mich Oft genug erlebt in den letzten Monaten: Man wartet ewig auf den Aufbau einer Seite und dann frieren nicht nur die Browser ein, sondern auch die Gesichtszüge. Manchmal ist sogar der Neustart des PC erforderlich. Wenn ich Webmaster darauf aufmerksam mache, wird mir der Wechsel des Browsers empfohlen. Danke für den Hinweis. Ich wechsel erst mal die Internetadresse.
Im Navigationsframe wird sinnigerweise vom Webmaster die Scrollmöglichkeit abgeschaltet. Folge: Ich sehe zwar, daß da noch etwas fehlt, aber ich komme da nicht ohne weiteres ran. Es sei denn, ich blende Symbolleiste, Statusleiste, Menüzeile etc. des Browsers aus. Und wenn das nicht reicht? Muß ich dann auch noch den Quellcode umschreiben?
Ähnliches Problem mit waagerechten Scrollbalken. Da werden wohl metergroße Bildschirme beim Programmieren eingesetzt. Soll der Rest der Welt doch Zeile für Zeile hin- und herscrollen. Schließlich klagen doch alle über mangelnde körperliche Bewegung.
Auf einigen Webseiten sind Werbung und Redaktionelles praktisch nicht mehr unterscheidbar. Ist das Absicht oder Unvermögen? Hoffentlich Absicht. Dann hätte es wenigstens noch einen Sinn. Nichts gegen etwas Werbung. Mir will aber einfach nicht in den Kopf, warum manche Webmaster ihre eigenen Beiträge besser verstecken als Ostereier. Oder gibt es vielleicht gar keine eigenen Inhalte? Sollen wir nur weitergeleitet werden auf offensichtlich lohnendere Seiten?
Manche Einstiegsseite (=Homepage) öffnet keine Tür, sondern gleich ein überdimensionales Portal. Die Website auf einen Blick sozusagen. Man sieht erst einmal nichts. Werbebanner allenfalls. Und es dauert und dauert. Aber man wird auch entschädigt, mit Texten in Kleinstschrift, News, Links, Umfragen, Newsletteranmeldung, Gewinnspielen, Grafiken, Buttons, Bildchen, Animationen, noch mal Werbebannern, Buchempfehlungen, Partnerlinks. Und das alles auf einer Seite! Die Krönung ist dann immer der „Zufallslink“. Da die Navigation in dem ganzen Chaos irgendwie untergeht, ist eh jeder Link zufällig.
Der Aktualisierungsstand wird oft gehütet wie ein Staatsgeheimnis. Wenigstens auf den wichtigsten Seiten eines Projekts sollte eine Jahreszahl oder ein konkretes Datum stehen. Es muß nicht alles topaktuell sein. Manches hat ja auch noch nach Jahren seine Gültigkeit. Aber manchmal ist es eben wichtig zu wissen, ob man es mit ollen Kamellen zu tun hat.
Das ist peinlich Das Internet ist öffentlich. Alle Texte können gelesen werden. Leider nicht immer ohne Schwierigkeiten. Grammatik und Rechtschreibung sind des öfteren ungenügend. Das Wort „Standard“ z.B. wird auch in Zeiten der Rechtschreibreform hinten nicht mit einem „t“ geschrieben, sondern mit einem „d“. Und jetzt der Test. Google aufrufen, „Standart“ eingeben, Ergebnis ansehen: Über 50.000 Seiten gelistet. Unter den Übeltätern tauchen sogar bekannte und seriöse Firmen auf. Klassenziel nicht erreicht!
Da listet endlich die Suchmaschine den ultimativen Link und dann ist dieser tot. Manche Webmaster wechseln die Dateinamen öfter als ihre Unterhosen. Das stinkt mir. Auch nicht witzig: Killer-Links, die keine andere Seite aufrufen, sondern dieselbe Seite noch einmal. Bis man schwindlig wird.
Funktioniert nicht mit…, ist optimiert für…, benötigt… Das klingt ähnlich einladend wie „Vorsicht! Bissiger Hund!“. Diese Hinweise wirken auf mich immer wie Entschuldigungen. Der Webmaster hat eben im Wortsinne nur einen beschränkten Horizont. Zu mehr fehlt wohl die Phantasie.
Die Website hat noch keine Inhalte. Aber die wesentlichen Bestandteile einer Homepage sind schon vorhanden: Disclaimer (Haftungsausschluß), Gästebuch, Werbung. Ach ja, ein Zähler natürlich. Der zählt wahrscheinlich die vor Ehrfurcht erstarrten User gleich mehrfach, da der Zählerstand immerhin schon schwindelerregende Höhen erreicht hat. In der Tat: Schwindel!
Da wird am Design gebastelt und gewerkelt, daß es eine Freude ist – für Rätselfreunde. Ist das nun ein Link oder keiner? Vielleicht ist es doch ein Link und der ist einfach nur tot? Aber auch tote Links verlieren eigentlich nicht das Merkmal eines Links. Sie können zweifelsfrei identifiziert werden. Aber warum einfach, wenn’s auch anders geht?!
Suchbegriff eingegeben. Auf einen Link in der Ergebnisliste geklickt. Seite wird aufgerufen. Inhalt ist super. Möchte noch mehr Seiten sehen. Äh, wo ist denn hier ein Link zur Homepage oder irgendeine Adresse? Und tschüß.
Das ist lächerlich Auf den Webseiten ist eigentlich nichts Tolles zu sehen. Auch das Webdesign ist eher durchschnittlich. Und doch muß ein Geheimnis verborgen sein. Warum sonst hat sich der Webmaster so viel Mühe gemacht, den Quelltext zu verstecken?
Nichts gegen eine dezente englische Wortwahl. Auf einigen Seiten ist aber auf den ersten Blick überhaupt nicht mehr ersichtlich, ob es sich um eine deutsche Seite handelt. Da ist alles versammelt: Community, Counter, Ranking, Guestbook, Disclaimer, Content, Feedback, Help, News, Shop, Free, Files, Go, Images. Die oft gesehene Schaltfläche „Diese Seite übersetzen“ bekommt einen neuen Sinn. In’s Deutsche? Oder wie?
Notwendige Anmerkungen Natürlich gibt es für einige der oben geschilderten Probleme Lösungsmöglichkeiten in der einen oder anderen Form. Die sind mir weitgehend bekannt. Aber vielen anderen eben nicht.
Natürlich kann man nicht alle Seiten über einen Kamm scheren. Von Profis, also Leuten, die dafür bezahlt werden, muß mehr erwartet werden als von privaten Homepagebastlern. Seiten, die sich mit Kunst und Künstlern beschäftigen, können auch mal eine eigenwillige Navigation haben. Diese sollte allerdings nicht unbrauchbar sein. Denn das ist keine Kunst.
Und natürlich stört nicht jede Baustelle und jeder englische Ausdruck. Ich bin ja nicht weltfremd. Es geht mir um die Auswüchse und die Übertreibungen. Und um unfähige und gedankenlose Webmaster, die mir/uns den Spaß am Surfen vermiesen.
Das Internet erinnert mich zunehmend an Besuche in Kaufhäusern und Supermärkten. Nicht nur wegen der penetranten Werbung und der hohlen Versprechungen. Sondern vor allem, weil ich als Kunde nicht sonderlich ernst genommen werde.